Die traditionsreiche Kunstausstellung findet von 8. August bis 9. Oktober 2026 im großen Ausstellungssaal des Kemptener Marstalls statt.
Gemeinsam mit der Allgäuer Festwoche feiert die Kunstausstellung in diesem Jahr 75. Jubiläum. Neun Wochen lang werden im Kemptener Marstall 72 zeitgenössisch künstlerischen Positionen von insgesamt 61 Allgäuer Kunstschaffenden gezeigt. Zwei Kunstwerke werden im Außenraum ausgestellt.
„Es war für mich eine bereichernde Erfahrung, Juryvorsitzender für die diesjährige Kunstausstellung zu sein. Nicht nur die künstlerische Vielfalt unserer Region hat mir imponiert. Ich war ebenso von den unterschiedlichen Sichtweisen und Wegen, wie man zu ausdrucksvollen Ausstellungsobjekten kommt und aus diesen einzelne prämiert, beeindruckt. Ich glaube als Jury haben wir gemeinsam eine ausdrucksstarke Sammlung zusammengestellt, auf die sich nicht nur die Kemptener Kunstszene freuen darf, sondern auch ein jeder, der sich gerne von Ästhetik inspirieren lässt und über unterschiedliche Perspektiven mit anderen ins Gespräch kommen mag“, so Christian Schoch, Oberbürgermeister der Stadt Kempten (Allgäu).
Kunstpreise für vier Künstler*innen für Gemälde, Installationen und Fotografie
Der Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) wird der Künstlerin Ekaterina Dronova für ihr Gemälde „Kein Rauch ohne Feuer“ (Öl auf Leinwand) verliehen. Ihr Werk überzeugte durch seine hervorragende malerische Qualität und eine Komposition, die an eine filmische Inszenierung erinnert. Die Darstellung einer „satten Gesellschaft“, die sich voneinander abwendet und teilnahmslos in eine bedrohliche Landschaft blickt, liefert zudem einen starken gesellschaftskritischen Kommentar. „Ich möchte mich furchtbar gern abwenden, der Anblick beunruhigt mich über allen Maßen. Doch ich habe Angst, mich umzudrehen und mir diese Sonne da in den Rücken scheinen zu lassen, während weit hinten in der Ferne etwas ganz und gar nicht stimmt“, so die Künstlerin Ekaterina Dronova über ihre Arbeit.
Für ihr Werk „Über den Wolken“ (Wolle, Holz) zeichnet die Jury die Künstlerin Nina Schmidbauer mit dem Thomas-Dachser-Gedenkpreis aus. Das Werk stellt eine Auseinandersetzung mit der Malerei unter Verwendung textiler Mittel dar. So ist ein Werk von hoher Dynamik entstanden, das zwar ein „Bild“ erzeugt, aber durch seine Materialität eine sinnliche Botschaft vermittelt, die über die Möglichkeiten der Fotografie oder reinen Malerei hinausgeht. „[Meine] Werke suchen nicht nach einem Bild der Natur, sondern nach den Voraussetzungen ihres Erscheinens. Sie laden dazu ein, den Akt des Sehens selbst zu reflektieren – als einen offenen Prozess, in dem sich Wirklichkeit nicht als feststehende Größe zeigt, sondern sich im Wahrnehmen immer wieder neu bildet“, so Nina Schmidbauer.
Der Künstler Leon Eichelbaum wird von der Jury für seine zweiteilige Arbeit „Vergessen, vergessen werden“ (Fotografie) & „Tag und Nacht“ (Installation/Skulptur) mit dem Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung 2026 ausgezeichnet. Eichelbaums Arbeiten thematisieren die Fragilität und Brüchigkeit des Lebens. „Meine Kunst entsteht nicht aus einer bewussten Entscheidung, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus. […] Meine Arbeiten sind stark autobiografisch geprägt. Sie zeigen den Wandel von einem selbstbestimmten Leben hin zu Pflegebedürftigkeit, aber auch die gesellschaftliche Gleichgültigkeit, mit der ME/CFS-Betroffene tagtäglich konfrontiert werden“, so Leon Eichelbaum.
Der Künstler Brynjar Sigurdarson wird für sein Werk „Zeichnungen in Glas“ von der Jury mit dem Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu 2026 gewürdigt. Durch die Technik der Glasgravur überführt der Künstler flüchtige Ideen in einen Zustand der Dauerhaftigkeit und Unveränderlichkeit. Das Werk fungiert als eine Art Psychogramm, das universelle Themen wie Landschaft und ländliches Leben in rätselhaften Chiffren darstellt. „Das Übernatürliche ist etwas sehr Natürliches. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit. […] Meine Arbeiten sind oft von Phänomenen inspiriert, die zwischen Wirklichkeit und Vorstellung liegen: geologische Prozesse, Wetter, Volksglauben oder alltägliche Beobachtungen“, so Brynjar Sigurdarson über sein Werk.
Publikumspreis 2026 – Wählen Sie Ihr Lieblingswerk!
Alle Ausstellungsbesucher*innen sind dazu eingeladen, unter den ausgestellten Werken ihrem Favoriten eine Stimme zu geben. Die Künstlerin oder der Künstler mit den meisten Nennungen erhält zum Ende der Ausstellung den Publikumspreis.
Eine Stunde Zeit für die Kunst!
Für Kinder ab acht Jahren: Kunst-Werkstatt am 19. September
Entdeckt am Samstag, 19. September, von 10 bis 12 Uhr, gemeinsam mit dem Künstler und Kunstvermittler Joram von Below die Kunstwerke, die in der Kunstausstellung gezeigt werden. Sucht euer Lieblingswerk aus und probiert verschiedene Techniken aus: drucken, zeichnen, malen und bauen. Einfach loslegen und Spaß haben.
Informationen und Anmeldung über museen(at)kempten.de oder Telefon (08 31) 25 25-77 77.
75. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche
Zusätzlich in diesem Jahr: „75 Jahre – 8 Werke" (kleine Sonderschau mit ausgewählten Werken aus 75 Jahren Kunstpreis Kempten)
Ausstellungsdauer: Samstag, 8. August bis Freitag, 9. Oktober 2026
Ausstellungsort: Marstall Kempten, Landwehrstr. 4, Kempten
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, während der Festwoche auch Montag, 10. August, von 10 bis 18 Uhr
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.
Alle weiteren Informationen unter www.marstall-kempten.de
Foto: Die Preisträger*innen der 75. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche Nina Schmidbauer und Brynjar Sigurdarson mit Oberbürgermeister Christian Schoch vor den vier preisgekrönten Werken. Auf dem Bild fehlen die Preisträger*innen Leon Eichelbaum und Ekaterina Dronova, Foto Sienz